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Rudel und Rudelstellung

Hunde und ihr Verhalten besser verstehen

Hunde sind Rudeltiere. So viel ist klar, denn immerhin stammen sie vom Wolf ab. Und der Wolf lebt in der Natur wie? Richtig, in Rudelstrukturen. Aber was hat das Ganze jetzt mit unseren Haushunden zu tun? Schließlich halten wir unsere Fellnasen in den seltensten Fällen im Rudelverband.

Nun, auch wenn unsere Hunde meist nicht im Rudel leben, ist in ihren Genen das Rudelverhalten verankert. Damit nimmt jeder Hund in einer Gruppe mit anderen Hunden eine andere Rolle ein. Gerade im Zuge zahlreicher Serien wie der „Hundeflüsterin“ ist die Rudelstellung auch in den Fokus vieler Hundehalter gerückt.

Ist die Rudelstellung nun angeboren? Oder ist sie durch den spezifischen Charakter erworben? Ganz gleich, wie man zu dieser Frage steht, steht fest, dass sich auch bei Hunden feste Sozialstrukturen herausbilden. Heute möchten wir einen Blick auf genau diese Strukturen werfen und Ihnen die sieben Rudelstellungen von Hunden samt ihren typischen Eigenschaften vorstellen.

Hunde und ihr Verhalten besser verstehen

Was ist überhaupt ein Rudel?

Sowohl bei Wölfen als auch bei Wildhunden (ja, die gibt es – und es sind nicht nur Streuner) ist ein Rudel als Familienverband definiert. Dieser Familienverband besteht in der Regel aus den Elterntieren und ihrem Nachwuchs. In manchen Fällen gestaffelt über mehrere Generationen. Bei streunenden Hunden oder allgemein dem Aufeinandertreffen unserer Haushunde gibt es keine Rudel im klassischen Sinne. Domestizierte Haushunde schließen sich häufig jedoch zu Gruppen zusammen. In diesen Gruppen entspannen sie sich, spielen, beschützen sich gegenseitig und gehen auf Nahrungssuche.

Gibt es Rudelstellungen?

Wo es soziale Gruppen gibt, da gibt es auch soziale Rollen. Bei Hunden und Hunderudeln ist das nicht anders. Dementsprechend gibt es auch bei Hunden Rudelstellungen. Allem voran stehen in jedem Rudel die Anführer – die Leittiere. Dabei handelt es sich in der Regel um das Elternpaar. Innerhalb dieser Gruppe ergeben sich weitere Rangstufen und Rollen, die ein Tier im sozialen Gefüge einnimmt.

Ist die Rudelstellung bei Hunden angeboren?

Über die Frage, wie die Rudelstellungen zustande kommen, streiten sich Experten bereits seit Jahrzehnten. Dass eine Stellung im Sozialverband angeboren oder genetisch vererbt wird, ist rein naturwissenschaftlich kaum plausibel.

Eine Führungsrolle im klassischen Rudel übernehmen Wölfe und Hunde erst dann, wenn sie Nachkommen gezeugt haben. Genetisch vererbt ist der Führungsanspruch damit nicht. Innerhalb der Rudel entwickeln sich die Rollen dagegen dynamisch. Beobachtungen zeigen, dass unter anderem die Geschlechtsreife oder das Alter bzw. die Lebenserfahrung einen Einfluss auf die Stellung des einzelnen Individuums haben.

Hinzu kommen tatsächlich angeborene Charaktereigenschaften, die einen Hund zu einer spezifischen Rolle innerhalb des Rudels befähigen. In gewisser Weise ist die „Rudelstellung“ im sozialen Verbund damit doch angeboren, aber bedingt durch die Lebensumstände veränderbar. Bei uns ist es schließlich nicht anders.

Wenn der Mensch dem Hund seinen Platz zeigt

Im Hunderudel gibt es mehr oder weniger klare Funktionen und eine sich daraus ergebende Rangordnung. Da Hunderudel gerade hierzulande eher eine Ausnahmeerscheinung sind, ist die Betrachtung der Rudelbeziehung von Menschen und Hunden untereinander viel interessanter. Immerhin fügt sich der Hund normalerweise in ein Menschenrudel ein, in dem er seinen Platz finden muss.

Und dieser Platz ist unter Garantie nicht an der Spitze. Doch gerade hier liegt in vielen Beziehungen zwischen Menschen und ihren Hunden der Hase im Pfeffer. Fehlerhafte Erziehung mit allzu viel Toleranz führt oft zu problematischem und dominantem Verhalten der Hunde. Umso wichtiger ist es, dass Halter:innen ihren Fellnasen insbesondere in akuten Situationen zeigen, wo ihr Platz ist und wie das Rudelgefüge auszusehen hat.

Dazu sind von Zeit zu Zeit auch sogenannte ranganmaßende Maßnahmen notwendig. Mit genau solchen Maßnahmen haben sich Forscher:innen der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München befasst. Um die Reaktion der Hunde auf solches ranganmaßendes Verhalten zu testen, sollten 116 Besitzer:innen die Schnauze ihres Hundes umfassen (Datenquelle zur Grafik).

Wie die Grafik zeigt, reagierten die Hunde durchaus unterschiedlich auf die Rangordnungsmaßnahme ihrer Halter:innen. Ganze 34,5 Prozent Hunde akzeptierten die Maßnahme durch ihre Besitzer:innen sofort. Bei weiteren 47,5 Prozent erfolgte zunächst ein Entzugsversuch durch verschiedene Maßnahmen. 11,2 Prozent der Hunde entzogen sich deutlich.

Nur wenige Hunde (6,9 Prozent) akzeptierten den Maßregelungsversucht nicht und reagierten zum Teil sogar mit Drohverhalten. Dieser Test spiegelt eindeutig wider, dass es auch im Familienrudel aus Hund und Menschen Rangkämpfe auszufechten gilt. Rangkämpfe, die der Hund in keinem Fall gewinnen darf. Jedenfalls dann nicht, wenn sich Hundehalter:innen nicht mit sozial problematischem Verhalten ihrer Hunde herumschlagen möchten.

Die sieben Rudelstellungen und ihre Eigenheiten

Ungeachtet aller Kontroversen rund um das Thema Rudelstellung haben Hundeverhaltenstrainer aus aller Welt unzählige Stunden damit verbracht, Hunde und ihr Sozialverhalten zu beobachten. Das Ergebnis ist spannend. Immerhin konnten die Experten gut sieben unterschiedliche Rudelstellungen umreißen und ihnen einige charakteristische Verhaltensmerkmale und Eigenschaften zuweisen. Grundsätzlich lässt sich zwischen Leithunden, Kundschaftern, Wächtern und dem Zentralhund unterscheiden.

1. Der vordere Leithund

Insbesondere der vordere Leithund ist der Entscheidungsträger schlechthin, der das Rudel von der Spitze aus anführt und absichert. Typisch ist zum einen eine hohe Individualdistanz sowie zum anderen, dass sich der Hund bei Außenreizen aufbaut und er eine erhöhte Körperspannung zeigt.

Ist das Rudel nicht in Bewegung, erkennen Sie einen vorderen Leithund daran, dass er sich an strategisch günstigen Punkten positioniert, die oft etwas abseits liegen. Typisch für vordere Leithunde ist, dass sie zwar eine ruhige und souveräne Art haben, aber wie alle Leithunde nicht einfach zu führen sind.

2. Der vordere Kundschafter

In seiner Rolle als vorderer Kundschafter arbeitet der vordere Kundschafter dem vorderen Leithund zu und sichert diesen nach hinten ab. Im Rudel läuft der vordere Kundschafter weit vorne und kennzeichnet sich durch die Fähigkeit, lang und effizient zu laufen.

Seine Aufgabe ist unter anderem das Führen des vorderen Wächters. Charakterlich ist der vordere Kundschafter unkompliziert, reaktionsschnell und wenig empfindlich gegen Lärm. Er ist ein perfekter Hund für das Mantrailing oder den Agility-Sport.

3. Der vordere Wächter

Ebenso wie der vordere Kundschafter ist auch der vordere Wächter ein Entscheidungsempfänger des Leithundes. Nach der vorherrschenden Verhaltenslehre haben diese Hunde im Rudel keine eigene Verhaltenskompetenz, sondern handeln nur durch „Führung“ der Kundschafter bzw. Leithunde. Dennoch übernimmt der vordere Wächter eine der wichtigsten Aufgaben im Rudel: Er sichert den Zentralhund nach vorne ab.

Typisch für einen Hund von diesem Kaliber ist die Neigung zum Zuschnappen, Reaktionsschnelligkeit und die Eigenschaft, oft laut und mit heller Stimme zu kläffen – ein typischer Wächter eben. Ein Hund, der in diese Kategorie fällt, wirkt häufig sehr nervös, geht aber eine enge Bindung mit seinem Leithund ein. Okay, im Normalfall mit seinem Menschen – also mit Ihnen.

Ein weiteres Verhaltensmerkmal des vorderen Wächters ist, dass er sich gerne dort platziert, wo er das komplette Geschehen im Blick hat. Beispielsweise an einem großen Fenster oder auf einer Anhöhe in Ihrem Garten.

4. Der Zentralhund

Als oberster Entscheidungsträger steht der Zentralhund im Zentrum des Rudels. Einen „geborenen“ Zentralhund erkennen Sie meist schon im Welpenalter sehr leicht. Er ist im Zweifelsfall immer der Hund, der durch sein resolutes Verhalten als erster aus der Welpenspielgruppe fliegt.

Generell präsentiert sich der Zentralhund in Gegenwart anderer Hunde sehr souverän und punktet mit einer gewissen Ausstrahlung, einem entspannten Gang und einer aufgerichteten Körperhaltung. Andere Hunde verhalten sich in seiner Gegenwart in der Regel ruhig und zurückhaltend. Im klassischen Hunderudel ist der Zentralhund der Fixpunkt, der das Verhalten aller anderen Hunde (auch der Leithunde) korrigieren darf.

Was der Zentralhund in der Theorie mit seinen pelzigen Freunden macht, versucht er bisweilen auch mit Menschen. Wichtig ist, dass Sie einem solchen Hund klar machen, dass Sie der Chef sind. Lassen Sie ihn ja niemals das Gefühl bekommen, dass er den Hut auf hat.

5. Der hintere Kundschafter

Prinzipiell ist der hintere Kundschafter eine Kopie des vorderen Pendants. Auch er führt nach „Absprache“ mit dem hinteren Leithund den hinteren Wächter. Gleichzeitig ist er aber auch der hintere Wächter des Zentralhunds. Typisch für den hinteren Kundschafter ist ein ruhiger Charakter, wenngleich er mit Vorliebe Außenreize meldet.

6. Der hintere Wächter

Im Hunderudel haben wir einen vorderen Wächter und damit auch einen hinteren Wächter. Dieser ist im natürlichen Rudel sozusagen der Bodyguard des hinteren Leithundes. Im Vergleich zu einem typischen vorderen Wächter ist der hintere Wächter charakterlich etwas ruhiger. Davon abgesehen sind die Wesenseigenschaften aber ähnlich. Typisch für Hunde des Typs „hinterer Wächter“ ist eine besonders enge Bindung zum Leithund bzw. zu ihrem menschlichen „Leittier“.

7. Der hintere Leithund

Last but not least hätten wir den hinteren Leithund, der nochmals einen völlig anderen Charakter darstellt. Er ist der Chef im Ring, wenn es darum geht, das Rudel nach hinten abzusichern. Dazu führt er seinen hinteren Kundschafter und den hinteren Wächter.

In einem Hunderudel sichert der hintere Leithund das Rudel im Rückraum von bis zu einem Kilometer ab. Typische hintere Leithunde sind eher ruhig, haben eine lockere Körpersprache und wirken in der Regel souverän. Gleichzeitig hat der hintere Leithund einen ausgesprochenen Sinn für Rituale und liebt daher feste Tagesabläufe.

Für so manchen von uns ist das ungemein praktisch – erinnert der hintere Leithund seinen zweibeinigen Partner doch ganz ohne Uhr an die Gassi-Runde. Ob Ihr Hund ein klassischer hinterer Leithund ist, können Sie an seinem Verhalten gegenüber Dingen erkennen, die frontal auf ihn zukommen. Diese Hundetypen bleiben in einem solchen Fall stehen und sondieren die Lage sehr genau, bevor sie weitergehen.

Fazit – Welche Rudelstellung hätte Ihr Hund?

Zugegeben, die sieben Hundetypen treffen nicht auf jeden Hund in ihrer Reinform zu. Charakterlich ergeben sich zahlreiche Mischformen, deren individuelle Eigenschaften jeweils stärker oder schwächer ausgeprägt sind. Analysieren Sie doch einfach mal Ihren Hund und finden Sie heraus, welche Rudelstellung Ihre Fellnase charakterlich einnehmen würde.