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Telemedizin

Was Sie über Online-Tierärzte wissen müssen

In Zeiten von Corona versuchen wir immer mehr Dinge in unserem Alltag über digitale Lösungen abzubilden. Ob Home-Schooling oder Tele-Arbeit im Home-Office – all das gehört bei uns mittlerweile zum Standard. Auch in der Medizin erfreuen sich Online-Modelle immer größerer Beliebtheit, denn häufig lassen sich Fragen auch ohne Besuch in der Praxis aus der Entfernung heraus beantworten.
Aber hätten Sie gewusst, dass die Telemedizin auch bei immer mehr Tierhaltern hoch im Kurs steht? Erfahren Sie, was es mit der Telemedizin auf sich hat, welche Vorteile diese bietet und warum wir in Deutschland vielen Ländern hinterherhinken.

27. May 2021

Was ist Telemedizin?

Telemedizin, was ist das eigentlich? Im Grunde handelt es sich bei der Telemedizin um einen Kontakt zwischen Patient und Behandler, der mit Hilfe eines Kommunikationsmediums große Distanzen überbrückt. Die Telemedizin kann in Einzelfällen rein telefonisch erfolgen, wird jedoch in der Regel mittels Videochat über das Smartphone, den Computer oder sonstige Endgeräte umgesetzt.

Möglich ist neben der Diagnostik in vielen Fällen auch eine Therapie bzw. eine auf eine Therapie abzielende Handlungsanweisung vom Arzt an den Betroffenen. Besonders oft kommt die Telemedizin für den Erstkontakt zum Einsatz. Auf diesem Weg ist es möglich, eine schnelle Einschätzung zu erhalten, ob eine nähere Begutachtung in Präsenz eventuell notwendig ist.

Während die Telemedizin in der Humanmedizin bereits seit längerem zum Repertoire gehört, ist sie im Bereich der Veterinärmedizin noch weitgehend Neuland. In der Regel funktioniert die Telemedizin über Start-up-Plattformen, die als Vermittler zwischen Tierhalter und Tierärzten fungieren, die solche Dienste anbieten. Meist sind es nur größere Tierarztpraxen, die selbst ein eigenes Telemedizinkonzept auf die Beine stellen.

So läuft der Prozess in der Telemedizin ab

  1. Ihrem Vierbeiner geht es nicht gut und Sie fragen sich, was zu tun ist. Die Angelegenheit ist auf den ersten Blick nicht so schlimm, als dass Sie unbedingt den weiten Weg zum Tierarzt fahren müssen.
  2. Sie melden sich bei einem der derzeit aktiven Telemedizin-Portale für Veterinärmedizin an.
  3. Sie suchen nach einem Veterinär, der sich mit der Materie auskennt. Alternativ schlägt Ihnen die Plattform anhand einer Problemschilderung gleich einen geeigneten Tiermediziner vor.
  4. In der Regel sehen Sie vorab die Konditionen für eine telemedizinische Beratung.
  5. Im Anschluss entscheiden Sie sich dafür, den jeweiligen Tierarzt zu kontaktieren. Dieser Kontakt kommt direkt über das Endgerät, mit dem Sie surfen zustande. Wichtig: Um eine adäquate Beratung zu ermöglichen, sollte das Gerät über eine Kamera mit einer ausreichenden Bildqualität verfügen.
  6. Im Zuge der eigentlichen Kontaktaufnahme sprechen Sie über einen Videochat mit einem Tierarzt. Die Beratung läuft ganz so ab, wie Sie es aus Ihrer Tierarztpraxis kennen.
  7. Da der Mediziner nicht direkt vor Ort ist, ist dieser darauf angewiesen, dass Sie ihm die Problematik genau schildern oder via Kamera zeigen. In manchen Fällen werden Sie auch dazu aufgefordert, etwas zu überprüfen oder zu ertasten.
  8. Abhängig vom Ausgang des Kontakts werden weitere Maßnahmen besprochen. Entweder bekommen Sie direkt eine Handlungsanweisung oder den Rat, gleich einen Termin bei Ihrem Präsenztierarzt auszumachen.
  9. Nach der Beendigung des Gesprächs erfolgt in der Regel die Bezahlung der Dienstleistung. Wie genau diese abläuft und welche Zahlungsdienste zur Verfügung stehen, hängt von der gewählten Plattform ab.

Diese Formen der Telemedizin lassen sich unterscheiden

Wenn wir von der digitalen Tierarztpraxis bzw. von Telemedizin im veterinärmedizinischen Bereich reden, geht es nicht nur um das klassische Beratungsgespräch. Vielmehr ist hier ein gesamter Komplex gemeint. Die veterinärmedizinische Telemedizin deckt nämlich mehrere Felder ab:

  • Tele-Sprechstunden: Hinter der Tele-Sprechstunde verbirgt sich die klassische Sprechstunde, wie Sie sie auch von Ihrem Tierarzt kennen. Nur, dass als Kommunikationsmedium ein Tool wie zum Beispiel Skype, Zoom oder Microsoft Teams dient. Erfahren Sie hierzu mehr auf PETPROTECT Videosprechstunden
  • Tele-Konsultation: Die Tele-Konsultation beschreibt keinen Kontakt zwischen Heimtierhalter und Tierarzt. Hierbei geht es darum, dass sich Veterinäre untereinander über digitale Medien absprechen können. Zur Anwendung kommt die Tele-Konsultation beispielsweise dann, wenn der Tierarzt die Meinung eines Spezialisten benötigt. Für solche Konsultationen gibt es mittlerweile Plattformen wie Vetradiologie oder DiploVets.
  • Tele-Triage: Der Begriff Triage stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie sortieren. Bei der Tele-Triage geht es darum, dass ein Tierarzt über Video-Chat die Schwere einer Erkrankung feststellen kann. Daran schließt sich eine Empfehlung über das weitere Vorgehen an. So kann etwa entschieden werden, ob ein Tierarztbesuch notwendig ist.
  • Tele-Monitoring: Das Telemonitoring ist etwas spezifischer als die reine Tele-Sprechstunde. Dabei geht es darum, dass ein Tierarzt seinen pelzigen Patienten per Video von einem anderen Ort aus überwacht. Diese Art der Interaktion findet normalerweise nicht zwischen Heimtierhalter und Arzt statt. Meist kommt dieser Mechanismus in Tierkliniken zum Einsatz.
  • Tele-Dokumentation: Die Tele-Dokumentation ermöglicht mehreren Ärzten die zentrale Dokumentation der Daten ihrer pelzigen Patienten. Es handelt sich also um eine digitale Patientenakte, auf die mehrere Anwender orts- und zeitunabhängig Zugriff haben, was die Zusammenarbeit erleichtert und die Versorgung des erkrankten Tieres optimiert.

Warum hinken deutsche Tierärzte hinterher?

Wie Sie sehen, gibt es bereits eine Vielzahl digitaler Services im veterinärmedizinischen Bereich. Leider hinkt Deutschland auch in diesem Bereich der Digitalisierung zahlreichen Industrienationen weit hinterher. Die Ursache dafür lässt sich in drei Hauptgründen zusammenfassen:

  • Fachkräftemangel: Ja, auch in Tierarztpraxen mangelt es an ausreichend Personal. Und ohne Personal ist es schwer möglich, eine parallele Online-Infrastruktur zum regulären Praxisbetrieb aufzubauen und zuverlässig bereitzustellen.
  • Know-how: Dass die meisten veterinärmedizinischen Angebote der Telemedizin auf das Konto von Start-ups zurückgehen, ist kein Wunder. In weiten Teilen der Branche mangelt es nämlich an technischem Know-how sowie an den finanziellen Ressourcen, um Apps und Plattformen für die Telemedizin zu entwickeln. Ebenfalls fehlt häufig noch die Integration funktionierender Zahlungsstrukturen.
  • Recht und Bürokratie: Wie es häufig so ist, steht sich Deutschland mit seinen Rechtsvorschriften und seiner Bürokratie selbst im Weg. Auch bei der Einführung der Telemedizin ist das nicht anders. Die aktuell gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen machen die Entwicklung und Veröffentlichung gesetzeskonformer Softwareprodukte enorm schwierig. Vor allem dann, wenn es darum geht, die Services für Tierhalter zu angemessenen Preisen anzubieten.

Es hängt wie so oft an Recht und Bürokratie

Die gute Nachricht ist, dass es in der Veterinärmedizin nicht an smarten Digitalkonzepten mangelt. Allerdings unterliegen die Tierärzte hierzulande einem komplexen Sammelsurium an rechtlichen Bestimmungen. Dazu gehören neben der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), dem Arzneimittelgesetz (AMG) und dem Kammerrecht auch die diversen Heilberufegesetze sowie die Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV). Glücklicherweise ist das Problem bekannt.

So fordern die Bundestierärztekammer (BTK) und der Arbeitskreis Telemedizin des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) ein verbindliches Regelwerk, um die digitale Versorgung breitflächig auszurollen.

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