Bis 05.12. Freunde werben und 60€ sichern!

Ständige Unruhe bei Katzen

Steckt die Schilddrüse dahinter?

Katzenhalter:innen wissen: Die Samtpfoten können ganz schön aufgedrehte Wirbelwinde sein. Die Unruhe hat in vielen Fällen jedoch nichts mit einfacher Nervosität oder Verspieltheit zu tun. Leider steckt häufig eine Erkrankung der Schilddrüse dahinter.

Gerade bei Katzen über zehn Jahren ist eine Überfunktion der Schilddrüse einer der häufigsten Auslöser für Unruhe, Aufgekratztheit und Aggressivität. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie die Symptome richtig deuten, wo die Ursachen liegen und was Sie tun können, um Ihrer Fellnase zu helfen.

Steckt die Schilddrüse dahinter?

Welche Aufgabe hat die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist im übertragenen Sinne so etwas wie der Turbolader Ihrer Katze. Sie produziert die jodhaltigen Schilddrüsenhormone T3 und T4, die für die Regulation der Stoffwechselrate verantwortlich sind.

Damit reguliert die Schilddrüse in entscheidendem Maße zahlreiche lebenswichtige Funktionen wie die Erregbarkeit von Nervenzellen, die Schweißproduktion, die Körpertemperatur, den Herzschlag, den Blutdruck und damit auch den Energieverbrauch. Arbeitet die Schilddrüse nun zu träge, sprechen wir von einer sogenannten Schilddrüsenunterfunktion. In einem solchen Fall werden Katzen träge, da die Stoffwechselaktivität nachlässt.

Das komplette Gegenteil ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion der Fall. Hier dreht der Stoffwechselturbo so richtig auf. Die Folge: Der Energieverbrauch steigt, die Erregbarkeit der Nervenzellen nimmt zu und Puls sowie Blutdruck erhöhen sich. Wen wundert da aufgekratztes oder nervöses Verhalten?

Wie kommt es zur Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen?

Veterinärmediziner:innen haben festgestellt, dass die Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen in den vergangenen Jahrzehnten als Krankheitsbild zugenommen hat. Während im Jahr 1978 nur rund drei Prozent aller älteren Katzen darunter litten, weisen heute bereits 18 Prozent aller über zehn Jahre alten Katzen eine Schilddrüsenüberfunktion auf. Bei Katzen über 18 Jahre ist sogar bereits jede zweite Samtpfote betroffen.

Die Ursachen für die Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. In rund 30 Prozent der Fälle geht die Störung auf ein sogenanntes solitäres, funktionelles Adenom zurück. Die verbleibenden 70 Prozent der Fälle lassen sich der adenomatösen-multinodulären Hyperplasie der Schilddrüsenlappen zuschreiben. Beide Varianten bringen die Hormonbildung der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht.

Hinter der Gesamtentwicklung vermuten Forscher:innen beispielsweise die Fütterung von Katzen. Im Verdacht stehen dabei kommerzielles Katzenfutter sowie das Barfen mit Stich- und Schlundfleisch, das Anteile der Schilddrüse der Futtertiere enthält. Demnach vermutet man, dass es durch den dauerhaften Verzehr zu einer Jodüberversorgung kommt, die in einer Schilddrüsenüberfunktion gipfeln kann. Hinzu kommt, dass die Problematik durch die gesteigerte Lebenserwartung mit dem Lebensalter statistisch zunimmt.

Die typischen Symptome der Schilddrüsenüberfunktion

Probleme mit der Schilddrüse sind nicht immer unmittelbar ersichtlich. Häufig zeigen sie sich erst nach vielen Monaten oder sogar Jahren. Umso wichtiger ist es, auf eindeutige Symptome bzw. die Kombination verschiedener Symptome zu achten. Immerhin können uns unsere Katzen nicht eindeutig sagen, wenn etwas stoffwechseltechnisch danebenläuft.

Eine Studie der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München hat sich mit genau diesem Thema befasst. Untersucht wurden dazu die Blutproben von 495 Katzen auf eine Schilddrüsenproblematik. Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersuchte man die typischen Symptome für eine Schilddrüsenüberfunktion bei den 45 erkrankten Tieren. Die Grafik zeigt eindeutig, auf welche Symptome auch Sie bei einem Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion achten müssen.

Datenquelle zur Grafik

Besonders auffällige Begleitsymptome betreffen das Herz. Gut 28 Prozent aller erkrankten Katzen weisen eine deutlich erhöhte Herzfrequenz auf. Bei 16,5 Prozent kommen auffällige Herzgeräusche hinzu. Ebenfalls häufig tritt einer deutlich beschleunigte Atmung auf. Dieses Symptom betrifft rund 25,3 Prozent aller erkrankten Katzen. Anderweitige Probleme wie Durchfall (7,6 Prozent), Erbrechen (5,1 Prozent) oder ein vermehrter Urinabsatz (3,8 Prozent) treten dagegen vergleichsweise selten auf.

Genau solche Symptome wie auch Gewichtsverlust und gesteigerter Appetit sind jedoch die eindeutigsten Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen. Auffälligkeiten der Herzaktivität dagegen sind relativ unspezifisch. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie ein Auge auf die Symptomkonstellation werfen. Es gilt: Je mehr Symptome zusammenkommen, desto wahrscheinlicher ist eine Schilddrüsenproblematik. Hier noch einmal die wichtigsten Symptome zusammengefasst:

  • Hyperaktivität
  • Heißhunger
  • Ruhelosigkeit
  • Starker Gewichtsverlust
  • Auffällig starker Durst
  • Ungewöhnlich häufiger Urinabsatz
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Aggressivität
  • Übermäßiges Fellpflegeverhalten
  • Fellveränderungen
  • Extreme Abmagerung (in schweren Fällen)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Erhöhter Herzschlag
  • Zittern
  • Hecheln
  • Atemnot

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

Die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion ähneln stark den typischen Anzeichen für Diabetes mellitus bzw. einer chronische Niereninsuffizienz. Dementsprechend ist eine genaue Untersuchung durch die Tierärztin bzw. den Tierarzt notwendig.

Ob es sich wirklich um eine Schilddrüsenüberfunktion handelt, können Veterinär:innen beispielsweise durch das Abtasten der Schilddrüse sowie durch eine Blutuntersuchung feststellen. Im Rahmen der Analyse untersucht das Labor die Konzentration des Schilddrüsenhormons T4 (Thyroxin) im Blutserum. Ist das Ergebnis noch nicht eindeutig, folgt ein T3-Suppressionstest.

Grundsätzlich erfolgt die Therapie zunächst medikamentös. Durch den Einsatz spezieller Schilddrüsenmedikamente lässt sich die Tätigkeit der Schilddrüse präzise steuern und die Überfunktion in den Griff bekommen. Die medikamentöse Behandlung ist dank modernster Wirkstoffe hervorragend als Langzeittherapie geeignet.

Am häufigsten kommen hier Carbimazol und Thiamazol zum Einsatz. Für eine erfolgreiche Therapie muss die Dosierung im Laufe des Lebens immer wieder angepasst werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit einer operativen Therapie, wobei erkranktes Gewebe entfernt wird. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie ist ein chirurgischer Eingriff jedoch nicht mehr rückgängig zu machen, sofern der Eingriff nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Warum die Behandlung so wichtig ist

Wird eine Schilddrüsenüberfunktion langfristig nicht behandelt, sterben Katzen in der Regel an ihren Folgen. Ursächlich ist, dass die Überfunktion der Schilddrüse dauerhaft zu Schädigungen der Nieren, des Herzens und der Leber führt.

Abhängig davon, wie groß die Vorschädigungen an den genannten Organen bereits sind, ist die Prognose bei einer umfassenden Behandlung sehr gut. Die meisten Katzen können somit ein normales Leben führen. Insbesondere, da keine Vorbeugung möglich ist, sollten Sie ältere Katzen im wahrsten Sinne des Wortes regelmäßig auf „Herz und Nieren prüfen“ lassen.

Was Sie im Umgang mit Ihrer Katze unbedingt beachten müssen

Dank der medikamentösen Einstellung ist das Zusammenleben mit einer erkrankten Katze vergleichsweise wenig eingeschränkt. Eine Möglichkeit für reine Wohnungskatzen ist das Füttern von jodfreiem Futter. Für Freigänger funktioniert diese Therapiemöglichkeit nicht, da Sie niemals sicherstellen können, dass die betroffene Katze außer Haus nicht doch etwas anderes frisst.

Achtung: Andere Katzen dürfen dieses spezielle, bei der Tierärztin bzw. beim Tierarzt erhältliche Futter nicht fressen. Darüber hinaus müssen Sie im Alltag unbedingt sicherstellen, dass Ihre Katze ihre Medikamente zu den festgelegten Zeitpunkten bekommt. Andernfalls gerät die Schilddrüse wieder aus dem Takt.